OKalenderWi05

Ornithologen Gruppe Pfäffikersee

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGS-KALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE, WINTER 2005/2006

1. Oktober 2005 bis 31. März 2006

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Gebietes
Sie finden hier meinen Bericht über das ornithologische Geschehen am Pfäffikersee im Winter 2005 / 2006. Wir dürfen von einem recht strengen Winter sprechen, der nur mühsam dem Frühjahr weichen wollte. Viel Schnee, eine grosse Kälte und über viele Wochen eine geschlossene Eisdecke auf dem Päffikersee. Die Wintergäste fanden keine günstigen Verhältnisse vor und mussten zeitweise ausweichen. Es kommt in letzter Zeit immer häufiger vor, dass es auch nach Eintreffen der ersten Brutvögel (Kiebitze, Bekassine, Rohrammern) nochmals kalt wird und Schnee fällt. Ich erkenne darin einen wesentlichen Grund, weshalb die Brutbestände der genannten Arten abnehmen oder ganz ausbleiben.

STATISTIK
Der vorliegende Bericht basiert auf 1033 Datensätzen. Im Winterhalbjahr wurden beobachtet:
89 verschiedene Vogelarten, davon 27 Indikatorarten
Etliche der festgestellten Vogelarten sind in der Roten Liste der gefährdeten und verletzlichen Arten aufgeführt.

ERWÄHNENSWERTE WINTERGÄSTE
Es ist ganz selten, dass auf unserem See Mittelsäger beobachtet werden können. Ende November verweilten kurz 3 Weibchen am Nordufer.
Im Dezember überflog eine weibliche Kornweihe das Robenhauserriet. Auch 1 – 2 Wanderfalken waren auf Nahrungssuche im Riet unterwegs.
In einer schönen Formation zogen am 5. März 32 Kraniche über den Pfäffikersee in Richtung Süden.
Bis zu 6 Waldohreulen konnten im Januar am Schlafplatz im Himmerich beobachtet werden.
Anfang November konnte im Müliriet noch eine Schafstelze auf dem Wegzug in Wintergebiet festgestellt werden.
Erstmals suchten im letzten Winter Heckenbraunellen Nahrung direkt am Wasser. Der tiefe Wasserstand hat neue Nahrungsgründe geschaffen.
Anfang Januar suchte eine Saatkrähe Nahrung auf einem Kürbisfeld.
Auffallend im letzten Winter war der grosse Einflug von Alpenbirkenzeisigen. Trupps von bis zu 50 Individuen turnten in den Wipfeln von Birken. 
Besonders gefreut haben wir uns, dass auch die schmucken Seidenschwänze im Januar/Februar wieder einige Male bei uns auftauchten.

TRENDS BEI DEN REGELMÄSSIGEN WINTERGÄSTEN
Die Zwergtaucher waren im Berichtszeitraum selten in grösserer Zahl anzutreffen. Während der Seegfrörni sind sie auf andere Gewässer ausgewichen. Auch die Haubentaucher traten nie in grösserer Anzahl auf.
In diesem Winter waren zwei Rohrdommeln zu Gast. Diejenige am Nordufer hat offenbar auch während der Eiszeit genügend Nahrung gefunden und an einem kleinen Teich bis am 18. März ausgeharrt. Diejenige am Hellsee dagegen hat anfang Jahr die Winterflucht angetreten.
Die Rostgänse traten ab Anfang 2006 nur noch in geringer Zahl auf, da ihre Bestände an anderen Gewässern reduziert wurden.
Der Winterbestand an Krickenten war bedeutend höher als in früheren Jahren. dagegen waren fast keine Löffelenten zu Gast.
Die Gänsesäger nutzten jede eisfreie Fläche um am See auszuharren. Daher waren sie auch während der Seegfrörni regelmässig anzutreffen.
Während die Teichhühner ihren Ganzjahresstandorten treu blieben, wanderten die meisten Wasserrallen in diesem strengen Winter ab.
Wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse trafen die ersten Kiebitze diesmal sehr spät ein und zogen jeweils nach einem Winterrückfall weiter.
2-3 Eisvögel waren bis Anfang Januar regelmässig am See und im Aabach zugegen, suchten sich dann aber günstigere Nahrungsgründe.
Im letzten Winter waren stets Spechte im Riet zu vernehmen, vor allem Grün- und Buntspechte, gelegentlich aber auch der eher heimliche Kleinspecht. Der Grauspecht fehlte dagegen vollständig.
Erneut war auch wieder ein Raubwürger zu Gast, der bis Ende Februar vor allem im Robenhauser- und Müliriet anzutreffen war.
In grossen Trupps suchten Elstern und Rabenkrähen Nahrung im Riet und fast täglich konnten auch Kolkraben im Gebiet beobachtet werden.
In früheren Jahren ist es uns nicht so aufgefallen, dass im Winter auch Goldammern in grösseren Gruppen umherziehen. Zu den regelmässigen Wintergästen zählt jetzt auch die Rohrammer.

GESAMTBILANZ
Der strenge Winter hat vielen Wintergästen die Nahrungsgrundlage entzogen. Der über viele Wochen gefrorene See führte zu einer grossen Abwanderung der Wasservögel gegen Ende Jahr. Das anhaltend kalte und nasse Wetter bis in den April könnte durchaus den Bruterfolg 2006 beeinflussen.


Administration / Datenkoordination
Walter Hunkeler, Bahnhofstrasse 231, 8623 Wetzikon
Tel. 044 / 930.32.75 Email

>