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Ornithologen Gruppe Pfäffikersee

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGSKALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE /  SOMMER 2010

(1. April bis 30. September 2010)

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Schutzgebietes


Ein Blick in die Mehrjahres-Statistik der Brutvögel zeigt, dass sich gegenüber dem Vorjahr wenige Veränderungen ergeben haben. Vor allem die Röhricht-Brüter und die Grasmücken konnten ihre hohen Bestände halten. Bei den Rohrammern hat sich sogar eine erfreuliche Erhöhung der brütenden Paare ergeben.

Wie schon im Vorjahr haben auch diesmal einige, für unser Gebiet traditionelle Arten, nicht gebrütet. Zwergtaucher, Zwergdommel und Kiebitze fehlten. Letztere konnten trotz grossen Anstrengungen bei der Gebietspflege nicht wieder angesiedelt werden. Der Drosselrohrsänger, der bei uns nicht regelmässig brütet, blieb auch 2010 aus. Grosse Bedenken habe ich, dass auch der Kuckuck nächstens wegbleiben könnte.

Ein erfreulicher Erfolg ergibt sich dank dem Einsatz von Brutflossen. Im Chliisee haben die Mittelmeermöwen zwei Junge aufgezogen. In der Herdplattenbucht, wo seit diesem Frühjahr zwei Brutflosse nebeneinander verankert sind, haben Lachmöwen und Flussseeschwalben in einer gemischten Kolonie erfolgreich gebrütet. Von beiden Arten sind viele Junge flügge geworden.

Erfreulich auch die erneute Brut des Neuntöters. 3 Paare haben dieses Jahr am Südrand des Schutzgebietes erfolgreich gebrütet. Für diese Art ist es wichtig, dass die dichten Buschstrukturen mit Schneeball erhalten bleiben.

Leider fehlen immer noch grössere offene Wasserflächen als Rastplatz für Limikolen.
Nachdem nun die Eigentumsverhältnisse im Schutzgebiet neu geregelt sind sollte es möglich werden, an geeigneter Stelle einen grosszügigen Flachsee zu erstellen.

All meinen Kolleginnen und Kollegen möchte ich danken für die Mithilfe bei den Bestandesaufnahmen und beim ganzjährigen Zusammentragen der Beobachtungsdaten. Nur dank dieser Teamarbeit kann dieses Langfristprojekt weitergeführt werden. Einen grossen Dank auch die Fachstelle Naturschutz, die unsere Bestrebungen tatkräftig unterstützt.

Bereits ist es kühl geworden und der Herbst zieht ins Land. Wir halten Ausschau nach den ersten Wintergästen, die aus dem Norden zu uns ziehen. Immer wieder sind auch im Herbst/Winter seltene Beobachten möglich. Dazu wünsche ich ihnen viel Beobachtungsglück.

Walter Hunkeler, Wetzikon


21. Oktober 2010


Im Frühjahr/Sommer 2010 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.

Artenstatistik
Der vorliegende Bericht stützt sich auf 1041 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2010 wurden beobachtet:
103 verschiedene Vogelarten, davon
-  15 Indikatorarten als Brutvögel
-  27 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste

Zum Brutgeschehen im Sommer 2010

Regelmässige Brutvögel:

Taucher

Leider haben auch im Berichtsjahr die Zwergtaucher nicht mehr gebrütet. Bis Ende April
waren einzelne Indiv. anwesend, sind dann aber weggezogen.
Bei den Haubentauchern herrschte zu Beginn der Brutzeit ungünstiges Wetter, so dass viele Erstbruten aufgegeben wurden. Erst ab Juli nahm die Zahl der erfolgreichen Bruten zu, wobei die durchschnittliche Anzahl Junge pro Brutpaar geringer ausfiel als im Vorjahr.

Reiher
Erneut fehlte die Zwergdommel als Brutvogel. Wir konnten dieses Jahr keinen einzigen Vogel im Gebiet feststellen.

Störche
Die Wetziker-Störche haben auf dem alten Fabrikkamin am Schönauweiher ein weiteres Mal gebrütet. Leider überlebten die beiden Jungstörche eine nasskalte Wetterphase nicht. Dieses Brutpaar ist von Pech verfolgt. Aus den Bruten in den letzten 4 Jahren ist ein einziger Jungvogel flügge geworden (2008).

Enten und Schwäne
Im Juni und Juli waren Stockenten-Familien mit vielen Jungen unterwegs.
Auffallend viele Reiherenten-Paare konnten im Mai beobachtet werden. Entweder sind sie nicht zur Brut geschritten oder die Bruten waren erfolglos.
Drei Paar Höckerschwäne haben ein Nest gebaut und gebrütet. Nur ein Paar war erfolgreich und hat 3 Junge aufgezogen.

Greifvögel
Der Schwarzmilan brütete dieses Jahr erneut in einem Waldstreifen am Westufer. Es konnte nicht festgestellt werden, ob Junge aufgekommen sind.
Der Rotmilan war während der ganzen Brutzeit auf Nahrungssuche im Gebiet anzutreffen. Er brütete an einem nahe gelegenen Waldrand.
Auch die Baumfalken waren während der ganzen Brutzeit im Gebiet auf Nahrungssuche. Zeitweise konnten 4 Vögel gleichzeitig über dem Riet festgestellt werden. Auch diese Art muss an einem nahen Waldrand gebrütet haben.
Die Turmfalken bezogen wieder den Nistkasten in Robenhausen und haben mindesten 2 Junge aufgezogen. Obschon noch weitere Brutplätze am Rande des Schutzgebietes liegen, beobachteten wir diesmal viel weniger Jungvögel als in früheren Jahren.

Rallen
Wasserrallen können während den Kartierungen praktisch nie beobachtet werden, da sie während der Brut ganz heimlich leben und selten rufen. Wir konnten diesmal noch drei Standorte festlegen.
Auch Teichhühner leben recht heimlich. Durch Zufall konnte ein Altvogel mit 6 kl. Juv. am Nordufer beobachtet werden. Es konnten 5 Brutstandorte eruiert werden.

Regenpfeifer
Durch Gebietsaufwertungen wurde versucht, den Kiebitz wieder anzusiedeln. Ausser Kurzaufenthalten und Überflügen sind leider keine Brutvögel im Gebiet geblieben. Diesmal hätten die Wetterbedingungen gepasst, denn zur Zugzeit im März war es schön und mild.

Möwen / Seeschwalben
Ein Paar der Mittelmeermöwe brütete erneut erfolgreich auf einem Floss im Chliisee. Zwei Junge wurden flügge und verliessen das Floss Anfang Juli.
Das bisher unbenützt gebliebene Brutfloss in der Auslikerbucht wurde im Frühjahr 2010 in die Herdplattenbucht verschoben und neben dem bestehenden Floss verankert. Da die Bruten der Flussseeschwalben jeweils etwa drei Wochen nach denen der Lachmöwen beginnen, wurde es bis Ende April mit einem Netz abgedeckt. Wir konnten so eine recht gute Trennung der beiden Arten bewirken.
Bei den Lachmöwen brüteten insgesamt 17 Paare, wobei 32 Junge flügge wurden.
Bei den 7 Flussseeschwalben-Paaren flogen 12 Junge aus.
Angesichts des Umstandes, dass etliche Störfaktoren, wie Greifvögel, Mietboote und Flieger vom nahen Flugplatz Speck die ganze Brutgemeinde zum Auffliegen bewog, ist dies ein sehr erfreuliches Ergebnis.

Kuckuck
Der Kuckuck ist vermutlich der nächste Brutvogel, der aus dem Gebiet verschwinden wird.
Im Berichtsjahr war nur noch ein einziges Paar anwesend und die Gesangsaktivität war gering.

Eulen
Der Schleiereulen-Brutplatz blieb ein weiteres Mal verwaist.
Erfolgreich gebrütet hat dagegen ein Waldohreulen-Paar, das am Südufer des Pfäffikersees vier Junge grossgezogen hat. Das Fiepen der Jungen konnte bereits am 18. Mai erstmals gehört werden.

Spechte
Im südlichen Teil des Schutzgebietes konnten wir drei Reviere des Kleinspechts ausmachen. Wie schon in früheren Jahren konnten wir die Höhlen nicht finden und wissen daher auch nicht, ob die Bruten erfolgreich verlaufen sind.
Der Grünspecht blieb diesmal während der Brutzeit verschwunden. Wir müssen davon ausgehen, dass er nicht im Gebiet gebrütet hat. Es tauchten im August/September auch keine Jungvögel auf.

Wasseramseln
Auch dieses Jahr leider keine Brut im Chämptnerbach.

Grasmücken
Erneut müssen wir feststellen, dass der Brutbestand der Feldschwirle von Jahr zu Jahr stark schwankt. Mit 12 Paaren war er diesmal doppelt so hoch wie im Vorjahr. Auffällig ist, dass sich sämtliche Paare im Süden des Gebietes angesiedelt haben.
Weniger häufig tritt der Rohrschwirl in Erscheinung. In der Berichtsperiode brüteten 3 Paare. Zu den häufigsten Brutvögeln an See gehört der Sumpfrohrsänger. Mit 95 Paaren knüpft er an die hohen Bestände früherer Jahre an.
Etwa gleich viele Brutpaare (97) wies der Teichrohrsänger auf. Beim Erstellen der beiden Artenkarten ist es immer wieder interessant festzustellen, wie sie sich in der Gebietsaufteilung ergänzen.
Einzelne Drosselrohrsänger sangen im April am Seeufer, zogen dann aber weiter.
Seit einigen Jahren erfassen wir auch die Brutplätze der Gartengrasmücken. Mit 41 Brutpaaren ist der Bestand im Schutzgebiet recht beachtlich.
Der Brutbestand des Fitis fiel mit 21 Paaren erneut sehr tief aus.
Der Grauschnäpper hielt sich mit 5 Paaren auf dem tiefen Stand der Vorjahre, während der Trauerschnäpper nirgends brütete.
Dorngrasmücken waren dieses Jahr zur Brutzeit keine anwesend.

Schwanzmeisen
Alle 4 Schwanzmeisen-Paare haben im südlichen Teil des Schutzgebietes gebrütet Ab Juni konnten wir grössere Familien-Verbände feststellen.
 
Würger
Die Neuntöter waren während der Brutzeit nur sehr schwer zu entdecken. Sie hielten sich in dichten Büschen am Südrand des Schutzgebietes auf. Zwei Paare brüteten im Himerich, ein Paar in der Tüfi. Im Berichtsjahr dürften nur wenige Jungvögel flügge geworden sein.

Finken
Girlitze haben dieses Jahr nicht gebrütet und auch die Distelfinken waren mit 5 Paaren schlecht vertreten.

Ammern
Der Bestand der Goldammern liegt mit 14 Paaren im Rahmen der Vorjahre, während derjenige der Rohrammern erfreulicherweise auf 54 Paare zugenommen hat. Dies ist rund ¼ mehr als in den vergangenen Jahren.

Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste

Am 10. April erschien ein Ohrentaucher im Prachtkleid am See und blieb für 10 Tage. Dieser schmucke Taucher tritt bei uns sehr selten auf.
Ein besonderes Erlebnis war ein rufender Nachtreiher, der nachts kreisend übers Riet flog. Er verbrachte 3 Tage im Gebiet Seeriet.
Gänsesäger in grosser Zahl verbrachten den letzten Winter am See. Ein Paar blieb noch bis zum 19. Mai zusammen und war vorwiegend am Nordufer anzutreffen.
Knäkenten, Krickenten und Schnatterenten waren in diesem Frühjahr sehr selten am See zu beobachten, die Kolbenenten fehlten ganz.
Auf dem Frühjahrszug wurde eine einzige Kornweihe beobachtet, andere Weihen fehlten.
Zweimal wurde ein Wachtelschlag gehört. Die Vögel zogen aber jeweils sofort weiter.
Um Mitte April suchten längere Zeit zwei Regenbrachvögel Futter an feuchten Stellen im Müliriet. Fast gleichzeitig konnten auch zwei Grosse Brachvögel gesichtet werden.
5
Noch immer fehlt am Pfäffikersee ein idealer Rastplatz für Limikolen. Der häufigste Gast ist jeweils der Flussuferläufer. Diesmal gehörte unsere Aufmerksamkeit aber einem Grünschenkel, der wenig Scheu zeigte und vom 1. Mai bis zum 4. Juni regelmässig im Strandbad Auslikon Futter suchte.
Besonders zu erwähnen sind aber auch der seltene Terekwasserläufer am 19. Mai, ein Zwergstrandläufer am 21. Mai und vier Rotschenkel am 21. Juni.
Je einmal im April und im Juni erschien eine Schwarzkopfmöwe am See. Auch dies ein ganz seltener Gast.
In der Tüfi rastete am 1. Juni eine Turteltaube.
Besonders erfreut uns jeweils der Gesang der Nachtigall. Zwischen 10. und 16. Mai waren drei Sänger im Riet zu hören.
Ein weisssterniges Blaukehlchen suchte am 17. April Futter am Giwispitz.
Auch der Ortolan gehört zu den seltenen Zugvögeln in unserem Gebiet.



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