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Ornithologen Gruppe Pfäffikersee

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGSKALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE /  SOMMER 2009
(1.April bis 30. September 2009)

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Schutzgebietes

Als langjähriger, ornithologischer Beobachter am Pfäffikersee bin ich etwas besorgt über die Entwicklung der Brutvogelbestände in unserem Gebiet. Dass gleich mehrere traditionelle Brutvogelarten, wie Kiebitz, Zwergtaucher und Zwergdommel nicht mehr brüten, stimmt mich traurig. Es sind noch weitere Arten, wie der Kuckuck und die Schwirle, stark gefährdet. Die Kantonale Fachstelle und die mitarbeitenden Landwirte leisten Jahr für Jahr einen grossen Einsatz für die Pflege der Riedgebiete. Da sich die Biotope in den letzten Jahren kaum verändert haben, ist es unverständlich, warum gewisse Vogelarten so grosse Mühe bekunden.

Ich möchte aber auch noch auf positive Aspekte hinweisen. Die von der Kant. Fachstelle gebauten Brutflosse haben sich als überaus nützliche Bruthilfe erwiesen. In der Herdplattenbucht hat sich eine grosse, gemischte Brutkolonie von Lachmöwen und Flussseeschwalben gebildet. Je zwölf Paare teilten sich die kleine Plattform und zogen Junge auf. 20 junge Lachmöwen wurden flügge, während alle jungen Flussseeschwalben leider geraubt wurden. Beide Arten sind in der Schweiz selten und können dank solchen Bruthilfen gefördert werden.

Ein weiterer grosser Mangel in unserem Naturschutzgebiet sind fehlende feuchte Stellen. In dieser Hinsicht könnte eine wesentliche Verbesserung der Situation während der Zugzeit und zur Brutzeit erreicht werden. Ich hoffe, dass nun nach Abschluss der Güterzusammenlegung rasch weitere Flachwassertümpel ausgehoben werden können.

Die langfristige ornithologische Überwachung unseres grossen Gebietes beruht auf einer erfreulichen Teamarbeit. An die 20 Personen sind ganzjährig unterwegs um Bestandesaufnahmen vorzunehmen oder Daten zu sammeln. Meinen Mitarbeitern danke ich für die langjährige Mitarbeit recht herzlich. Einen besonderen Dank auch an die Kant. Fachstelle und deren Mitarbeiter für die gute Unterstützung.

Ich wünsche Ihnen allen viele schöne Herbst- und Winterbeobachtungen und grüsse freundlich

Walter Hunkeler

Wetzikon, 12. Oktober 2009



Im Sommer 2009 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.

Artenstatistik
Der vorliegende Bericht stützt sich auf 782 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2009 wurden gemeldet:
101 verschiedene Vogelarten, davon
-  15 Indikatorarten als Brutvögel
-  30 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste

Zum Brutgeschehen im Sommer 2009

Zu den regelmässigen Brutvögeln:

Taucher

Erstmals hat der Zwergtaucher nicht mehr gebrütet. Die lange Seegfrörni im vorigen Winter könnte dazu beigetragen haben, dass diese kleinen Taucher  auf andere Gewässer ausgewichen sind. Schon 2008 waren nur noch drei Paare am See anwesend und Junge konnten damals nicht beobachtet  werden.
Bei den Haubentauchern haben nur 23 Paare gebrütet, doch erreichten sie mit durchschnittlich 2.4 Jungen pro Paar einen überdurchschnittlichen Bruterfolg. Viele Erstbruten sind misslungen. Wie schon in den Vorjahren zählte ich zur Hauptbrutzeit eine Gruppe von 45 Tauchern, die gemeinsam fischten.

Reiher
Mit dem Zwergreiher ist dieses Jahr ein weiterer traditioneller Brutvogel unserem Gebiet ferngeblieben. Einzelbeobachtungen im Mai und Juli liessen nicht auf eine Brut schliessen.

Störche
Am Südrand des Schutzgebietes, auf einem alten Fabrikkamin am Schönauweiher, brütete das bisherige Weissstorchen-Paar erneut. Der einzige Jungvogel wurde jedoch ein Opfer des nasskalten Wetters.

Enten und Schwäne
Im Mai und Juni waren grosse Stockenten-Familien unterwegs. 
Den selteneren Enten war erneut kein Bruterfolg beschieden. Einige Reiherenten-Paare waren zur Brutzeit anwesend, doch konnten nirgends Junge beobachtet werden.
Bei den Höckerschwänen gab es nach einer längeren  Durststrecke wieder eine erfolgreiche Brut  mit 2 Jungen. Aus einem zweiten Nest im Nordufer verschwanden die Eier.

Greifvögel
Der Schwarzmilan brütete dieses Jahr erneut in einem Waldstreifen am Westufer. Es konnte nicht festgestellt werden, ob Junge aufgekommen sind.
Der Rotmilan war während der ganzen Brutzeit auf Nahrungssuche im Gebiet anzutreffen. Er brütete an einem nahe gelegenen Waldrand. Gegen Ende Juli war das Paar mit drei Jungvögeln unterwegs.

Erfolgreich brüteten die Turmfalken in Nistkästen in Robenhausen und in der Umgebung. Im Juli/August konnten etliche Junge beobachtet werden.

Rallen
Die Wasserrallen waren diesmal mit 4 Paaren nicht so zahlreich vertreten. Auch bei dieser Art könnte der strenge Winter zur Abwanderung geführt haben.  Anders die Teichhühner, die ihrem Bestand etwas erhöhen konnten. Es waren auch wieder vermehrt Junge zu beobachten.
Leider können wir auch dieses Jahr keine Kiebitz-Bruten melden. Die wenigen Durchzügler zeigten keinerlei Balzverhalten. Es ist schade, dass die spezifischen Pflegemassnahmen, die im Müliriet im Rahmen eines Kiebitzförderungsprojektes der ALA durchgeführt wurden, keinen Erfolg zeitigten. Es fehlen in diesem Abschnitt grosszügige offene Wasserflächen.

Schnepfen
Im Müliriet konnten um Mitte April bis zu 13 Bekassinen beobachtet werden. Balzflüge blieben aber leider auch dieses Jahr aus. Auch für diese Art wäre mehr offenes Wasser dringend nötig.

Möwen / Seeschwalben
Ein Paar der Mittelmeermöwe brütete erneut auf dem Brutfloss im Chliisee. Es zog 3 Junge auf, die Anfang Juli ausflogen.
Von den beiden anderen Brutflossen wurde leider nur dasjenige in der Herdplattenbucht benützt. Das Floss in der Auslikerbucht blieb erneut leer, wogegen in der Herdplattenbucht Wohnungsnot herrschte. Lachmöwen und Flussseeschwalben bildeten eine gemeinsame Brutkolonie mit je 12 Paaren. Der Brut der Lachmöwen verlief sehr erfolgreich, denn um den 20. Juni flogen 20 Jungmöwen aus.
Weniger Glück hatten die Flussseeschwalben. Nach dem Ausfliegen der Lachmöwen konnten mindestens 9 Junge auf dem Floss beobachtet werden. Da die Altvögel ihre Jungen jedoch nicht bewachten, waren diese 3 Tage später verschwunden. Vermutlich hat sich hier der Schwarzmilan bedient, der in der Nähe brütete.

Kuckuck
Der Ruf des Kuckucks ist zwar rund um den See zu hören, doch vermute ich, dass auch 2009 nur zwei Paare anwesend waren.

Eulen
Die Schleiereulen haben im strengen Winter 2008/2009 gelitten und dieses Jahr  am traditionellen Brutort nicht gebrütet.
Auch die Waldohreule war nirgends anzutreffen.

Spechte
Der Grünspecht machte sich während der Brutzeit rar und doch konnte Ende Saison ein rufender Jungvogel bei Wochenendhäusern beobachtet werden. Wir vermuten daher, dass auch dieses Jahr eine Brut statt gefunden hat.
Der Grauspecht und auch der Schwarzspecht wurden während der Brutperiode nicht angetroffen, hingegen haben zwei Paare des Kleinspechtes gebrütet. Ob Junge geschlüpft sind, konnten wir nicht feststellen.

Wasseramseln
Der traditionelle Brutplatz unter der Chämptnerbachbrücke blieb auch dieses Jahr verwaist. Am oberen Abschnitt des Chämptnerbaches waren nach wie vor Renaturierungsarbeiten im Gange, so dass sich diese Vögel vermutlich ins Chämptnertobel zurückgezogen haben.


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Grasmücken
Der Bestand der Schwirle schwankt von Jahr zu Jahr stark. Diesmal brüteten insgesamt 10 Paare im Schutzgebiet.
Die starken Entbuschungsaktionen der letzten Jahre haben die möglichen Brutbiotope für den Sumpfrohrsänger etwas eingeschränkt. Ein Bestand von 71 Paaren ist jedoch immer noch erfreulich.
Etwas erstaunt hat mich die hohe Zahl an Teichrohrsängern. Im vorigen Winter wurden die Altschilfbestände am Seeufer und im Riet vollständig zu Boden gedrückt, so dass die Ausgangslage für die Rückkehrer nicht ideal war. Diese Situation wurde vielleicht etwas entschärft durch die späte Rückkehr um den 20. April.
Nach drei erfolgreichen Brutjahren ist der Drosselrohrsänger diesmal nicht erschienen. Bei dieser Art müssen wir wohl mit Schwankungen von Jahr zu Jahr rechnen.
Obschon keine Indikatorarten, erfassen wir auch die Brutbestände der Gartengrasmücke und der Grau- und Trauerschnäpper. Der Bestand der Gartengrasmücke blieb mit 34 Paaren recht konstant. Beim Grauschnäpper zählen wir stets etwa 3 - 4 Paare, während der Trauerschnäpper zurzeit nicht im Gebiet brütet. .
Auch dieses Jahr trafen wir auf einige singende Dorngrasmücken zur Brutzeit. Wir hoffen sehr auf die Rückkehr dieser selten gewordenen Vogelart.

Schwanzmeisen
Von der Schwanzmeise fanden wir dieses Jahr einen einzigen Brutplatz. Ein Schwarm Jungvögel im September deutet auf einen Bruterfolg hin.
 
Würger
Zum vierten Mal in Folge haben die Neuntöter gebrütet. Je ein Paar baute ein Nest im Himmerich und in der Tüfi. An beiden Standorten wurden je 2 – 3 Junge flügge.

Finken
Girlitze haben in der Berichtsperiode nicht im Gebiet gebrütet und auch die Anzahl Brutpaare der Distelfinken hat sich weiter vermindert.

Ammern
Erfreulich jedoch die weitere Zunahme bei den Goldammern. Interessant ist, dass fast alle Brutplätze im Südosten des Schutzgebietes liegen.


Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste

Drei Nachtreiher zeigten sich im Mai am Hellsee und im Aabach. Ein Silberreiher war während der ganzen Sommerperiode regelmässig am See auf Nahrungssuche anzutreffen. Am 24. April überflogen 4 Ex. das Robenhauserriet. Einen Purpurreiher konnten wir Mitte Mai beobachten, während die beiden Ex. am 1. Juni zu einem späten Zeitpunkt bei uns erschienen.
Vor allem im August/September zeigte sich hin und wieder eine weibliche Rohrweihe im Gebiet. Auch ein Fischadler war im September kurz zu Gast. 1-2 Baumfalken nutzten unser Naturschutzgebiet regelmässig für die Nahrungssuche.

Am 24./25. Juni konnten  im Müliriet Wachtelschläge gehört werden, Im Gegensatz zum letzten Jahr, haben sie aber diesmal nicht gebrütet.

Ein besonderes Ereignis war der Ruf von zwei Wachtelkönigen am 7. August. Leider waren sie nur an diesem einen Tag zu hören. Ab August waren auf den abgemähten Wiesen wieder Bekassinen zu beobachten.
Mitte Mai fischten 3 Weissbartseeschwalben, zusammen mit Trauerseeschwalben über dem See.

Ein Eisvogel konnte noch am 22. April am See gesichtet werden, ab anfang Juli waren sie dann wieder aus dem Brutgebiet zurück.

Erfreulich, dass dieses Jahr gleich zweimal ein Wendehals erschienen ist, Mitte April und Ende September. Diese Art ist in den letzten Jahren sehr selten beobachtet worden.

Nur noch selten wird auf dem Zug ein Baumpieper angetroffen, früher ein charakteristischer Brutvogel in unseren Riedgebieten.

Ein später Seidenschwanz war noch am 2. April an der Strandbadstrasse beim Misteln picken zu sehen.

Anfang April und gegen Ende Mai war je ein Blaukehlchen im Riet anwesend.

Nur noch selten trifft man Trauerschnäpper an. Ende April zogen sie bei uns durch.


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