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Ornithologen Gruppe Pfäffikersee

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGSKALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE  / SOMMER 2006

1. April bis 30. September 2006

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Schutzgebietes
Nach Abschluss der Brutsaison 2006 will ich erneut Bilanz ziehen und über das Geschehen und die Ergebnisse unserer Bestandesaufnahmen in diesem Jahre berichten. Einen starken Einfluss hatte diesmal die Wettersituation. In den Monaten März bis Mai fielen weit überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Um mitte April lag noch erheblich Schnee auf den Rietwiesen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass frühe Rückkehrer das bereits begonnene Balzverhalten abbrachen und abwanderten oder dass der Bruterfolg ausblieb. Vogelarten, die erst im Juni mit Brüten begannen, profitierten andrerseits vom schönen, extrem heissen Wetter.  Wir müssen uns stets wieder vor Augen halten, dass auf einer Meereshöhe von 550 m, bei solchen Wetterkapriolen, ein sicherer Bruterfolg bei einigen Arten nicht mehr gewährleistet ist.

Die Veränderungen von Jahr zu Jahr lassen sich am besten aus der Mehrjahresstatistik ablesen. Erfreulicherweise haben im Berichtsjahr der Drosselrohrsänger und der Neuntöter, nach vielen Jahren Abwesenheit, wieder einmal gebrütet. Die Sumpfrohrsänger, die jeweils erst Ende Mai/Anfang Juni eintreffen haben vom warmen Wetter stark profitiert und einen neuen Höchststand an Brutpaaren erreicht. Unsere Sorgenkinder, der Fitis und die Rohrammer scheinen sich auf einem tiefen Stand zu stabilisieren. In den letzten Jahren wurden weite Teile des Schutzgebietes stark entbuscht, was bei gewissen Arten zu einer Bestandesreduktion geführt haben dürfte. Trotz diesen Schwankungen ist die Gesamtbilanz für unser Schutzgebiet immer noch hoch erfreulich, haben im Jahre 2006 doch 11 Arten gebrütet, die auf der Roten Listen der bedrohten Vogelarten stehen.
Auch im laufenden Jahr ist wieder eine grosse Arbeit geleistet worden, um all die Daten zusammen zu tragen. Für viele von uns ergab sich diesmal eine Doppelbelastung, weil parallel dazu die Bestandesaufnahmen für den neuen Zürcher Brutvogelatlas begonnen haben. All meinen Kolleginnen und Kollegen, die mich bei dieser Arbeit geholfen haben, möchte ich recht herzlich danken. Nur dank breiter Unterstützung und guter Zusammenarbeit ist es erst möglich, unser grosses Schutzgebiet über Jahre umfassend zu beobachten.

                                                                           Mit freundlichen Grüssen
                                                                             Walter Hunkeler
Wetzikon, 14. Oktober 2006

IIm Sommer 2006 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.
Artenstatistik
Der vorliegende Bericht stützt sich auf 838 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2006 wurden beobachtet:
113 verschiedene Vogelarten, davon
-  20 Indikatorarten als Brutvögel
-  30 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste
Zum Brutgeschehen im Sommer 2006
Teilweise schlechter Bruterfolg
Die ungünstige Wettersituation in den Monaten März bis Mai hat offenbar dazu geführt, dass verschiedene Bruten erfolglos abgebrochen wurden. Aufgefallen ist mir dies vor allem bei den Zwerg- und Haubentauchern, den Höckerschwänen, den Schwarzmilanen, den Kiebitzen, den Weisskopfmöwen und den Waldohreulen. Um Mitte April lag noch erheblich Schnee und auch später blieb es noch für einige Wochen mehrheitlich kühl und feucht.
Hoffnungsvolle Ansätze
Mitte April war eine Gruppe von Schwarzhalstauchern anwesend, deren Balzverhalten Hoffnung auf eine Brut weckten. Leider zogen alle Taucher weiter.
Ein Baumfalken-Paar jagte den ganzen Sommer regelmässig im Riet, doch dürfte auch dieses Jahr der Brutplatz ausserhalb des Schutzgebietes gelegen haben.
Am 17. Juni war am Aabach ein Wachtelschlag zu vernehmen. In der Folge wurden aber keine  weiteren Beobachtungen mehr gemacht.
Mitte April und Mitte Mai hat in der Gegend Aegerstenriet/Hellsee je ein Tüpfelsumpfhuhn gerufen. Trotz intensiver Nachsuche wurde die Anwesenheit später nicht mehr bestätigt.
Interessant ist die Feststellung eines Eisvogels am 21. Mai. Hat er wohl in der näheren Umgebung gebrütet?
Der Gesang einer Dorngrasmücke am 7. Juni war bemerkenswert. Leider blieb es bei diesem kurzen Gastspiel.

 

Zu den regelmässigen Brutvögeln:
Taucher
Der Bestand des Zwergtauchers scheint sich auf einem tiefen Niveau zu stabilisieren. Leider sind offenbar keine Jungen aufgekommen.
Wie schon in den beiden Vorjahren konnte Ende Juni wieder eine grössere Gruppe von Haubentauchern beim gemeinsamen Fischen in der Seemitte festgestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren erst ganz wenige Pullis geschlüpft, so dass sich die Frage stellt, warum in letzter Zeit erst die Zweit- bzw. Spätbruten erfolgreich sind. Mit 35 Pullis für 29 Paare fällt die Schlussbilanz im Sommer 2006 nicht so schlecht aus.
Reiher
Am Nordufer und am Südufer konnten während der Brutzeit an drei Orten Zwergdommeln beobachtet werden. Über den Bruterfolg lassen sich diesmal keine Aussagen machen.

Enten und Schwäne
Im April und Mai waren vereinzelt Reiherenten-Paare anzutreffen, sie haben aber vermutlich nicht gebrütet.
Einzelne Tafelenten-Männchen verbrachten erneut den Sommer am See.
Im April und Mai ist bei einem Paar Höckerschwäne Balzverhalten und der Beginn des Nestbaus im Hellsee festgestellt worden. Sie gaben ihr Vorhaben auf.
Greifvögel
Der Schwarzmilan brütete dieses Jahr am Ostufer. Der traditionelle Brutplatz auf der anderen Seeseite blieb diesmal verwaist. Jungvögel konnten nicht festgestellt werden.
Der Rotmilan brütet am Waldrand in der näheren Umgebung des Schutzgebietes und benützt dieses regelmässig für die Nahrungssuche
Die drei Nistkästen mit Turmfalken-Bruten liegen alle im erweiterten Moorschutzperimeter. Alle Bruten verliefen erfolgreich.
Hühnervögel
Der Fasan ist definitiv ausgestorben.
Rallen
Der kalte Winter hat seine Spuren hinterlassen. Es ist mir schon anfang Jahr aufgefallen, dass viel weniger Wasserrallen und Teichhühner überwintert haben. Mit nur noch je drei Brutpaaren ist die Bilanz dieses Jahr mager ausgefallen. Bisher konnten lediglich zwei junge Teichhühner beobachtet werden.
Regenpfeifer
Nach zweimaliger Winterflucht brütete schliesslich nur noch ein Kiebitz-Paar im traditionellen Brutgebiet Mülibach. Das Verhalten der Altvögel (Lock- und Warnrufe) deutete auf eine erfolgreiche Brut hin.
Schnepfen
Im April rasteten bis zu 10 Bekassinen im Mülibach. Der späte Schneefall machte unsere Hoffnung auf eine Brut zunichte.
Möwen
Auf dem Brutfloss Im Chliisee haben die Weisskopfmösen erneut ein Nest gebaut und gebrütet. Die Brut wurde aber erfolglos abgebrochen. Die Grossmöwen waren wieder sehr aggressiv und vertrieben Lachmöwen und Flussseeschwalben konsequent.
Um Mitte Juli tauchte vor Pfäffikon eine Lachmöwe in einem frühen Jugendkleid  auf. Sie könnte durchaus am See geschlüpft sein.
Seeschwalben
 Flussseeschwalben waren während der ganzen Brutperiode am See anwesend und versuchten dauernd sich auf dem Floss im Chliisee niederzulassen. Ein anderer Brutplatz am Seeufer konnte offenbar nicht gefunden werden. Gegen die Weisskopfmöwen hatten sie keine Chance.
Kuckuck
Beim Kuckuck ist es stets etwas schwierig abzuschätzen, wie viele Paare im Gebiet anwesend sind. Aufgrund der vorhandenen Meldungen schätzte ich diesmal 3 Paare. Am Nordufer wurde ein Jungvogel gefüttert.
Eulen
Der Schleiereulen-Brutkasten an der Scheune Wolfensberger war auch dieses Jahr wieder besetzt. Es flogen 4 junge Eulen aus.
Die Waldohreulen waren diesmal weniger erfolgreich. Das einzige Paar am Südufer zeigt zwar Balzverhalten, doch blieb der Erfolg aus.
Spechte
Der Grünspecht hat erneut am Westufer gebrütet. Das Paar war anfang Juli mit 1 Juv. unterwegs. Wo die Höhle liegt, haben wir immer noch nicht feststellen können.
Der Schwarzspecht fiel durch seinen eindrücklichen Ruf während der Brutzeit auf. Seine Höhle muss in der Gegend der Kleinseen gelegen haben.
Auch der Kleinspecht lebt während der Brutzeit recht heimlich. Wir gehen davon aus, dass ein Paar im Gebiet gebrütet hat.
Wasseramseln
Erneut hat die Wasseramsel unter der Strassenbrücke am Chämptnerbach gebrütet. Das Paar konnte bei der Fütterung von 3 Jungvögeln beobachtet werden.
Grasmücken
Die 9 Paare des Feldschwirls sangen alle im südlichen Teil des Schutzgebietes.
Etwas besser vertreten als im Vorjahr war der Rohrschwirl. Auch diese Art trat nur am Südufer des Sees in Erscheinung.
Nach längerem Unterbruch brütete wieder einmal ein Drosselrohrsänger am Pfäffikersee. Er wählte sein Revier allerdings etwas versteckt in der Kleinseen-Landschaft und war daher nicht optimal zu hören. 
Der Bestand des Teichrohrsängers lag etwas tiefer als im Vorjahr.
Ein interessantes Bild vermittelt die Karte mit den Brutplätzen des Sumpfrohrsängers. Es besteht eine starke Massierung im Südwesten des Schutzgebietes. 86 Brutpaare bedeuten einen neuen Höchststand.
Der Brutbestand der  Gartengrasmücke hat sich wenig verändert, während der Fitis erfreulicherweise wieder leicht zulegen konnte.
Die erhoffte Erholung des Zilpzalp-Bestandes ist leider nicht eingetreten, es ist ein weiterer Rückgang auf 35 Brutpaare zu verzeichnen.
Etwas stärker vertreten war der Grauschnäpper mit 8 Paaren, während wir vom Trauerschnäpper auch diesmal keinen Brutplatz finden konnten.
Schwanzmeisen
4 Bruten der Schwanzmeisen entsprechen dem Mehrjahresdurchschnitt.
Würger
Erstmals seit vielen Jahren haben zwei Neuntöter-Paare im Riet gebrütet. Da sie spät mit der Brut begannen, war der Erfolg mit 3 bzw. 5 Jungen beachtlich. Interessant der Umstand, dass beide Paare Areale ausgesucht haben, wo biologische Ausgleichsflächen eine höhere Insektenzahl versprach. Das grosse grüne Heupferd war in diesem Sommer besonders gut vertreten.
Finken
Im Berichtsjahr waren drei Girlitz-Paare anwesend. Der Distelfink war mit 6 Paaren vertreten.
Ammern
Bei den Goldammern hat sich eine Areal-Verschiebung ergeben. Waren sie früher vor allem an der Westseite des Sees gut vertreten, lagen die Brutplätze dieses Jahr vor allem im Süd-Osten des Schutzgebietes.
Leider hat sich der Rohrammer-Bestand nicht erholt. Diese Art  fand zu Beginn der Brutzeit schwierige Wetterverhältnisse vor und auch der Altschilf-Bestand war nicht ideal.

Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste
Wie jedes Jahr machten einige Silber- und Purpurreiher Rast im Riet und auch zwei Fischadler konnten beobachtet werden. Rohrweihen waren sowohl auf dem Frühjahrs- wie auch auf dem Herbstzug unterwegs.
Die Dezimierung der Rostgänse zeigt Wirkung. Sie sind praktisch vom Pfäffikersee verschwunden.
Es ist interessant, dass der Wanderfalke auch im Sommer gelegentlich im Riet auf Nahrungssuche anzutreffen ist.
Der Durchzug von Limikolen blieb auch im Berichtsjahr bescheiden. Noch immer fehlt eine attraktive Schlickfläche.
Im April/Mai konnte einige Male der Gesang der Nachtigall vernommen werden. Leider blieb kein Paar im Gebiet zurück.
Im Mai und im August konnte je ein Pirol auf dem Zug beobachtet werden
Ab August waren ausserordentlich viele Neuntöter im Riet zu beobachten. Auch dieser Umstand deutet auf einen guten Bruterfolg dieser Art hin. Besonders gefreut hat uns der Besuch der beiden Rotkopfwürger im April und im September.
Hänfling und Kernbeisser sind in unserer Gegend rar geworden. Beide machten im April Rast.
Auch der Ortolan ist bei uns eine seltene Erscheinung.

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