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Ornithologen Gruppe Pfäffikersee

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGSKALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE  / SOMMER 2005

1. April bis 30. September 2005

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Schutzgebietes
Die Datenauswertung und der Rückblick auf eine abgeschlossene Brutperiode ist stets eine recht spannende Angelegenheit. Gelegentlich tritt auch ein überraschendes Ergebnis zu Tage, das man während der Feldarbeit nicht so wahrgenommen hat. Diesmal ist dies bei der starken Abnahme des Zilpzalps der Fall. Spontan ist nicht zu ergründen, warum sich der Brutbestand dieses kleinen Laubsängers innert Jahresfrist halbiert hat.
Die Wetterbedingungen waren leider zur Beginn der Brutzeit alles andere als ideal. Mitte April erlebten wir einen starken Wintereinbruch mit viel Schnee. Zu dieser Zeit waren bereits die Kiebitze mit der Brutvorbereitung beschäftigt und auch die Rohrammern besetzten in den Altschilfstreifen ein vorläufiges Revier. Auch die Bekassinen zogen es bei diesen unwirtlichen Verhältnisse vor, weiter zu ziehen.
Schon wieder kann ich über eine neue Brutvogelart am Pfäffikersee berichten. Auf dem Brutfloss im Chliisee brütete erstmals eine Weisskopfmöwe und zog zwei Junge auf. Diese Brut zeitigte aber leider negative Begleiterscheinungen, in dem diese Grossmöwen die bereits brütenden Lachmöwen und Flussseeschwalben vertrieben. So freut man sich auf der einen Seite über eine neu angesiedelte Art, während das Ausbleiben der Bruten der beiden vertriebenen Arten schmerzt.
Ein weiteres Phänomen dieses Sommers ist der schlechte Bruterfolg der Zwerg- und Haubentaucher. Gleiche Beobachtungen hat man auch an anderen Seen gemacht. Fehlt es an geeigneter Nahrung in unseren sauber werdenden Seen?
Der Mehrjahresvergleich der Brutvögel zeigt auch eine starke Abnahme der Rohrammer. Ich habe eingangs auf die Wettersituation hingewiesen, doch ist schwierig abzuschätzen, ob dies  der einzige Grund für die Bestandesabnahme ist. Trotz einzelnen Rückschlägen gilt es immer wieder die Gesamtbilanz des Pfäffikersee-Gebietes zu beachten: 20 brütende Indikatorarten, wovon 12 auf der Roten Liste stehen.
Um das ganze Datenmaterial zusammenzutragen haben wir Ornithologen wieder unzählige Stunden im Riet verbracht. Allen Kolleginnen und Kollegen, die Bestandesaufnahmen durchgeführt oder Daten gesammelt haben, möchte ich für die Unterstützung recht herzlich danken. Das Schutzgebiet am Päffikersee ist so bedeutend, dass sich dieser grosse Aufwand für die Langzeitüberwachung lohnt.

                                                                           Mit freundlichen Grüssen
                                                                             Walter Hunkeler
Wetzikon, 17. Oktober 2005

Im Sommer 2005 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.
Artenstatistik
Der vorliegende Bericht stützt sich auf 748 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2005 wurden beobachtet:
107 verschiedene Vogelarten, davon
-  20 Indikatorarten als Brutvögel
-  25 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste
Zum Brutgeschehen im Sommer 2005

Taucher
Im Vergleich zum Vorjahr hat der Brutbestand des Zwergtauchers stark abgenommen. Es brüteten noch 3 Paare, wobei wir diesmal nirgends Junge beobachten konnten. Der Bestand des Haubentauchers blieb zwar konstant, doch war ein äusserst geringer Bruterfolg zu verzeichnen. Die 32 Paare zogen lediglich 13 Junge auf, meistens nur
1 pro Paar. Erneut ist mir aufgefallen, dass gegen Ende Juni etwa 100 Haubentaucher in der Seemitte gemeinsam fischten. Ob es wohl an geeignetem Futter für die Jungen fehlte?

Reiher
Am Nordufer und am Südufer haben je 1 Paar Zwergdommeln gebrütet. Mindestens eine Brut war erfolgreich.

Enten und Schwäne
Im April und Mai waren vereinzelt Reiherenten-Paare anzutreffen, sie haben aber vermutlich nicht gebrütet. Einzelne Tafelenten-Männchen verbrachten erneut den Sommer am See.
Zwei Paar Höckerschwäne haben erfolgreich gebrütet. Am Nordufer sind 6 Junge geschlüpft, wovon 3 überlebt haben, am Böspitz lediglich 1 Juv. Weitere 3 Paare waren am See anwesend, ohne zu brüten.

Greifvögel
Der Schwarzmilan ist ein regelmässiger Brutvogel am Pfäffikersee. Je ein Paar brütete am West- und am Ost-Ufer. Der Bruterfolg ist ungewiss. Die Rotmilane haben ihren Horst am Rande des Beobachtungsgebietes und nutzen das Riet zur Nahrungssuche. Einen guten Bruterfolg verzeichneten die drei Turmfalken-Paare, die am Rande des Schutzgebietes in Nistkästen ihre Jungen aufzogen.

Hühnervögel
Fasane konnten in diesem Sommer nirgends mehr gefunden werden.

Rallen
Das Schwergewicht der Wasserrallen-Bruten liegt am Südufer des Sees. Der Bruterfolg lässt sich jeweils schwer feststellen. Der Bestand des Teichhuhns hat sich im Vergleich zum letzten Jahr von 8 auf 5 vermindert. Bis heute konnte lediglich ein Jungvogel beobachtet werden.

Regenpfeifer
Schlechte Wetterbedingungen beeinflussten das Brutgeschäft der Kiebitze. Mitte April lag noch eine kompakte Schneedecke und veranlasste viele Zugvögel zum Weiterziehen. Die Bruten der verbleibenden 3 Paare waren nicht erfolgreich. Krähen, Rotmilane, Katzen und Füchse machten diesen Bodenbrütern jedoch das Leben schwer.

Schnepfen
Im April rasteten bis zu 13 Bekassine im Mülibach. Ausser kurzen Verfolgungsflügen waren keine Anzeichen einer Brut festzustellen. Im Mai sind die Vögel weggezogen.

Möwen
Wie schon an anderen Seen, hat auch auf einem Brutfloss im Chliisee ein Paar Weisskopfmöwen (Larus cachinnans) die bereits brütenden Lachmöwen und Flussseeschwalben vertrieben und erfolgreich zwei Junge aufgezogen. Die jungen Möwen haben das Floss aber viel zu früh verlassen, wurden anfänglich noch im Wasser gefüttert und sind nach etwa zwei Wochen verschwunden. Es ist schade, dass diese Grossmöwe andere Arten nicht neben sich duldet und sich recht aggressiv verhält. Einige Male haben die Weisskopfmöwen Graureiher erheblich attackiert und zu Boden gedrückt.

Seeschwalben
Wie vorstehend erwähnt waren zeitweise 2 Paare der Flussseeschwalbe auf dem Brutfloss im Chliisee anwesend und haben gebalzt. Kurz nach dem Nestbau wurden sie aber leider von den Weisskopfmöwen vertrieben. Noch bis Ende Juni waren die beiden Paare am See anwesend und haben stets Kontrollflüge über dem Brutfloss unternommen. Die Weisskopfmöwen hielten jedoch das Floss noch im Besitz, als ihre Jungen schon längst das Floss verlassen hatten.

Kuckuck
Im Berichtszeitraum waren erfreulicherweise 3 Kuckuck-Paare am See anwesend. Ihr Ruf war rund um den See zu vernehmen. Der im August beobachtete Jungvogel könnte in unserem Gebiet geschlüpft sein.

Eulen
Der Schleiereulen-Brutkasten an der Scheune Wolfensberger war wieder von den Eigentümern besetzt, nachdem ihnen letztes Jahr die Turmfalken den Brutplatz streitig gemacht hatten. 3-4 Junge sind geschlüpft.
Erfolgreich gebrütet haben auch die Waldohreulen. Die Nester befanden sich auf Föhren im Giwitzenriet am Nordufer des Sees und im Seeriet am Südufer. Es sind insgesamt 7 junge Eulen ausgeflogen.

Spechte
Bei den Spechten ist es immer schwierig die Bruthöhlen zu finden. So hat der Grünspecht irgendwo am Westufer gebrütet. Seine 2 Juv. haben Ende Juni am Chliisee gebettelt.
Schwarzspecht und Grauspecht wurden diesmal während der Brutzeit nicht festgestellt.
Hingegen war der Kleinspecht im April und Mai sehr aktiv und hat irgendwo im Gebiet Mülibach/Tüfi gebrütet.

Wasseramseln
Die Wasseramseln finden am Chämptnerbach ideale Bedingungen für ihre Jungen-Aufzucht. Ihr Nest befand sich erneut unter einer stark begangenen Brücke.

Drosseln
Dieses Jahr konnten wir uns wieder einmal ausgiebig am Gesang der Nachtigall erfreuen. Von anfang Mai bis mitte Juni ertönte der Gesang regelmässig aus einem Gebüsch an der Strandbadstrasse.

Grasmücken
Der Feldschwirl konnte seinen Brutbestand von 11 Paaren halten, während der Rohrschwirl nur noch seinen traditionellen Brutplatz im Böspitz besetzte.
Sumpf- und Teichrohrsänger waren auch im Berichtszeitraum mit 66 bzw. 93 Paaren gut vertreten und auch die Gartengrasmücke war im ganzen Gebiet anzutreffen.
Während der Fitis seinen tiefen Vorjahresbestand halten konnte, ist  der Bestand des Zilpzalps richtiggehend eingebrochen. Der Brutbestand verringerte sich von 63 auf 35 Paare. Ein offensichtlicher Grund für diese Abnahme ist nicht zu erkennen.
Vom Grauschnäpper haben wir lediglich 4 Paare angetroffen, während der Trauerschnäpper im Schutzgebiet nicht brütete.

Schwanzmeisen
Einen starken Rückgang mussten wir bei den Schwanzmeisen feststellen. Ein Paar brütete erfolgreich.

Finken
Zwei Girlitz-Paare wurden am Nordufer beobachtet, während vom Distelfink 7 Standorte kartiert wurden.

Ammern
Wie schon in den Vorjahren brüteten die Goldammern vorwiegend am Rande des Rietgebietes.
Die früh zurückkehrenden Rohrammern litten ebenfalls unter dem späten Wintereinbruch. Ob noch andere Gründe für den aussergewöhnlichen Bestandesrückgang von 62 auf 38 Paaren vorliegen, muss noch näher analysiert werden.

Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste
Vor allem während der Zugzeit im Frühjahr können gelegentlich Silber- und Purpurreiher beobachtet werden.
Einige Male waren Rohrweihen und Fischadler unterwegs, anfang Mai ein Rotfussfalke und etwas später auch Wanderfalken.
Dieses Jahr sind vermehrt Wachteln vernommen worden. Am 2. und 9. Juni war der Ruf auch am Pfäffikersee zu hören.
Der Limikolenzug fiel dieses Jahr mager aus. Je einmal ein Grosser Brachvogel und ein Grünschenkel, daneben Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer und Flussuferläufer. Am Pfäffikersee fehlt nach wie vor eine geeignete Flachwasserzone.

Ab August waren wieder zwei Eisvögel auf Nahrungssuche unterwegs.
Im April machte kurz ein Wiedehopf Station im Wissenriet.
Der als Brutvogel ausgestorbene Baumpieper konnte wenigstens im Herbst auf dem Zug beobachtet werden.
Zweimal machten auch Schafstelzen Rast im Riet.
Etwas häufiger angetroffen wurde der Gartenrotschwanz. Ende April hat er sogar kurzzeitig gesungen, doch ist er später weiter gezogen.
In Frühjahr und im Herbst waren grössere Gruppen von Braunkehlchen im Riet anzutreffen. Leider blieben keine Vögel im Gebiet um zu brüten.
Nur noch ganz selten kann in unserem Gebiet eine Dorngrasmücke angetroffen werden, sie sang am 1. Mai im Gebiet Tüfi. Auf dem Herbstzug gelang die Bestimmung einer Sperbergrasmücke, einem äusserst selten auftretenden Zugvogel.
Im Juni machte sich auf der Westseite des Sees ein Paar Waldbaumläufer bemerkbar.
Um den 20. August waren viele Neuntöter unterwegs und überall im Riet anzutreffen.
Eine nicht alltägliche Erscheinung ist der Ortolan, der anfang Mai beobachtet wurde.

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