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Ornithologen Gruppe Pfäffikersee
ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGSKALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE  / SOMMER 2004

1. April bis 30. September 2004)

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Schutzgebietes
Die Brutperiode 2004 ist abgeschlossen, das umfangreiche Datenmaterial ausgewertet, sodass Bilanz gezogen werden kann. Insbesondere die Mehrjahresstatistik vermittelt ein gutes Bild über die längerfristige Bestandesentwicklung der verschiedenen Arten.
Ein ganz besonderes Ereignis ist stets das Auftreten einer neuen Vogelart als Brutvogel im Gebiet. Wir freuen uns, dass die Flussseeschwalbe im Sommer 2004 erstmals bei uns gebrütet hat. Sie baute ihr Nest auf dem Brutfloss im Chliisee, das auch von den Lachmöwen benutzt wird. Vor genau 10 Jahren wurde dieses Floss bereitgestellt, um der gefährdeten Flussseeschwalbe eine Nisthilfe anzubieten.
Weitere positive Aspekte betreffen die Bekassine, wo erneut zwei Paare gebrütet haben, und die Kiebitze mit einem Brutbestand von10 Paaren. Beide Arten sind auch auf nationaler Ebene sehr selten geworden. Diese speziellen Bruten, wie auch die insgesamt 20 brütenden Indikatorarten, deuten auf die hohe Qualität des Schutzgebietes am Pfäffikersee hin.
Aber auch die negativen Trends erfordern unsere Aufmerksamkeit. So nimmt der Bestand des Fitis Laubsängers seit 2002 bedrohlich ab und erreichte in diesem Sommer nur noch die Hälfte früherer Jahre. Auch der Kuckuck ist mit zwei Paaren auf einen minimalen Bestand abgesunken und der Baumpieper ist seit zwei Jahren ganz verschwunden.  Teilweise sind diese Trends nicht gebietsspezifisch gelagert, sondern auch überregional festzustellen.
 In einer Gesamtbilanz möchte ich jedoch meine grosse Freude über die Vielfalt an brütenden Vogelarten am Pfäffikersee ausdrücken. Ich möchte an alle Nutzer dieses einzigartigen Naturschutzgebietes appellieren, zu diesem Kleinod Sorge zu tragen, damit es möglichst unversehrt der Nachwelt erhalten werden kann.
 Grundlage für diesen Bericht bildet die umfangreiche Feldarbeit der beteiligten Ornithologen. Ich danke allen, die Bestandesaufnahmen durchgeführt oder Einzeldaten beigesteuert haben, für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Nur dank dieser vorbildlichen Teamarbeit ist es überhaupt möglich, ein so grosses Gebiet während Jahren umfassend zu überwachen.
                                                                           Mit freundlichen Grüssen
                                                                             Walter Hunkeler
Wetzikon, 17. Oktober 2004

Im Sommer 2004 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.

Artenstatistik

Der vorliegende Bericht stützt sich auf 736 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2004 wurden beobachtet:
96 verschiedene Vogelarten, davon
-  20 Indikatorarten als Brutvögel
-  20 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste

Zum Brutgeschehen im Sommer 2004

Taucher
Der Brutbestand der Zwergtaucher hat sich gegenüber den Vorjahren wenig verändert. Da wir an 3 Orten jeweils nur 1 Jungvogel beobachten konnten, dürfte der Bruterfolg dieses Jahr nicht so gut gewesen sein. Auch beim Haubentaucher hat sich der Bestand gehalten, doch brachte auch diese Art im Vergleich zum Vorjahr weniger Junge auf (du 1,7 gegenüber 2,5). Trotz balzenden Paaren im April warteten wir auch im Sommer 2004 vergebens auf eine Schwarzhalstaucherbrut.

Reiher
Erneut hat ein Paar Zwergdommeln am Nordufer erfolgreich gebrütet. Die jungen Reiher konnten wiederum von der Kanal-Brücke aus gut beobachtet werden. Mit 5 Jungen war die Brut ausserordentlich erfolgreich. Zwei weitere Paare brüteten am Südufer. Leider waren hier die Beobachtungsmöglichkeiten nicht so ideal, sodass erst Ende Juli ein Jungvogel entdeckt wurde.
Bezüglich Graureiher gilt die gleiche Feststellung wie in früheren Jahren: Nahrungsgäste während des ganzen Sommers, aber kein Brutbaum.

Enten
Vereinzelte Tafelenten-Männchen verbrachten den Sommer am See und von der Reiherente waren auch Paare anzutreffen. Bruthinweise gab es aber keine.

Greifvögel
Von den drei Schwarzmilan-Paaren hat mindestens eines Junge aufgezogen. Der Rotmilan war stets auf Nahrungssuche im Riet, doch liegen seine Horste an den angrenzenden Waldrändern. Ein Turmfalken-Paar hat Anfang April die Schleieulen aus dem Nistkasten in der Scheune Wolfensberger verdrängt und dort 3-4 Junge aufgezogen. Ein weiteres Paar brütete im Nistkasten im Industriegebiet Robenhausen. Auch dort waren Junge zu hören. Der Baumfalke ist im Sommer 2004 wenig in Erscheinung getreten.

Hühnervögel
Auch in diesem Sommer waren nur zwei rufende Fasanen-Hähne anwesend.

Rallen
Da wir am Nordufer dieses Jahr keine Wasserrallen festgestellt haben, hat sich der Brutbestand leicht vermindert. Alle 5 Paare waren im südlichen Teil des Schutzgebietes kartiert

worden. Das Teichhuhn konnte seinen Bestand halten, wobei bis heute lediglich zwei Junge am Nordufer aufgetaucht sind. Der Bruterfolg dürfte diesmal sehr dürftig ausgefallen sein.

Regenpfeifer
Als erfreulich darf die Anzahl Brutpaare des Kiebitz bezeichnet werden. Alle 10 Paare brüteten nahe beieinander im Mülibach und im Robenhauserriet. Dank schönem Wetter begannen die Bruten bereits Ende März, wurden dann aber im April zweimal mit Schnee bedeckt. Dies könnte einer der Gründe sein, warum schlussendlich nur bei zwei Paaren Junge festgestellt wurden. Als weitere Bedrohung der Kiebitz-Bruten stufen wir streunende Katzen ein, die täglich im Riet angetroffen wurden.

Schnepfen
Da wir Anfang April insgesamt 18 rastende Bekassine zählten, durften wir auf eine weitere Brut im Berichtsjahr hoffen. Als dann die früheren Brutplätze links und rechts der Strandbadstrasse besetzt wurden,  waren wir überzeugt, dass uns diese seltene Art als Brutvogel erhalten bleibt.  Wir haben dieses Jahr das Brutgeschehen sehr intensiv beobachtet, mussten dazu aber nach Einbruch der Dunkelheit auf Erkundung gehen. Die Aktivitäten mit Rufen und Balzflügen begannen in der Regel erst um etwa 2200 Uhr, dauerten dann aber bis tief in die Nacht. Leider waren dadurch aber fast keine Sichtbeobachtungen möglich, da die meckernden Bekassine hoch in die Luft stiegen. Trotz allem jedes Mal ein einmaliges Erlebnis.

Möwen
Mitarbeiter der Fachstelle Naturschutz haben letztes Jahr das Brutfloss im Chliisee gereinigt und mit einem neuen Kiesbelag versehen. So einladend wurde es Ende März vorerst von einem Paar Weisskopfmöwen in Beschlag genommen. Sie haben gebalzt und kopuliert und einige Tage den Anschein erweckt, als wollten sie einen Brutplatz errichten. Die Lachmöwen bekundeten grosse Mühe mit diesen grossen Gesellen, die eine enorme Aktivität entwickelten und dauernd laut schrieen. Die Grossmöwen zogen sich zwischenzeitlich wieder auf den See zurück, waren dann gegen Ende April aber nochmals auf dem Floss anzutreffen. Darnach gaben sie  offenbar den Brutversuch auf, verblieben aber den ganzen Sommer am See.
 
Nach diesem Intermezzo kamen die Lachmöwen zum Zug. Es waren schliesslich 5 Paare, die ein Nest bauten. Zwischen dem 5. und 12. Juni schlüpften insgesamt 11 Junge (3, 3, 2, 2, 1). Auf dem Floss waren Hohlziegel ausgelegt worden, was den jungen Möwen als Schutz vor Hitze und Greifvögeln sehr dienlich war. Flogen Milane übers Floss, beteiligten sich alle Möwen, auch brütende, am Verfolgungsflug. Jungmöwen leben aber gefährlich. Schon bald nach dem Verlassen des Nestes balancierten sie auf dem schmalen Floss-Rand oder stiegen über die angebrachte Ausstiegshilfe ins Wasser. Bei nassem Wetter konnten sie dann nur noch mit grosser Mühe wieder aufs Floss gelangen. Ab Mitte Juni nahm die Zahl der Jungen auf dem Floss ständig ab und schliesslich blieben nur 4 übrig, wobei zwei während einigen Tagen noch am Rande des Chliisees von den Altvögeln gefüttert wurden. Ich mache mir nun Gedanken, ob eine solche Ausstiegshilfe überhaupt nötig und sinnvoll ist.

Seeschwalben
Freude herrscht!
Genau zum 10-jährigen Jubiläum des Brutflosses dürfen wir von der ersten Flussseeschwalbenbrut berichten. Da diese Art von Jahr zu Jahr am Pfäffikersee immer häufiger aufgetreten war, unser Gewässer regelmässig für die Nahrungssuche nutzte, die Beute dann aber zum Greifensee wegtrug, hofften wir schon lange auf eine Brut. Das Paar erschien am 30. April auf dem Brutfloss und musste sich vorerst gegen die brütenden Lachmöwen durchsetzen, die eine aggressive Abwehrhaltung zeigten. Dies könnte auch der Grund sein, warum die Brut am 12. Juni erfolglos abgebrochen wurde. Erfreulicherweise blieb das Paar aber im Revier und begann am 23. Juni eine Zweitbrut. Sie wurde am 18. Juli durch das Schlüpfen von zwei Kücken belohnt, die beide aufgekommen sind. Die Jungen wurden im August auf Bojen und Balken im See gefüttert. Es ist mir aufgefallen, dass in der Fütterungsphase manchmal mehr als zwei Futter tragende Altvögel zum Chliisee geflogen sind. Ob hier wegen der späten Brut fremde Vögel bei der Aufzucht mitgeholfen haben?

Kuckuck
Leider war der Ruf des Kuckuck auch im Berichtsjahr nicht mehr so häufig zu hören. Je ein Paar am Ost- und am Südufer waren zugegen. Ob der wenig scheue junge Kuckuck, den ich am 20. September im Gebiet Himerich beobachtet habe, hier aufgewachsen ist, ist schwierig zu beurteilen.

Eulen
Wie vorstehend erwähnt, wurde leider das Schleiereulen-Paar im Kasten der Scheune Wolfensberger beim Römerkastell durch die Turmfalken verdrängt. Wir hoffen, dass es  den traditionellen Brutplatz im nächsten Jahr wieder besetzen wird. Zwei Paare der Waldohreule haben erneut erfolgreich gebrütet. Am Nordufer kamen 4 Junge, im Robenhauserriet 2 Junge auf. 

Spechte
Bei den Spechten hat sich die Situation verbessert Nachdem der Grauspecht während der ganzen Brutzeit im Gebiet Chliisee/Ofenriet gerufen hat und wir im Juli einen Jungvogel beobachten konnten, dürfen wir von einer erfolgreichen Brut in diesem Gebiet ausgehen. Auch der Ruf des Grünspechtes war auf der Westseite regelmässig zu vernehmen. Hier ist es etwas schwieriger zu beurteilen, ob die Brut innerhalb des Schutzgebietes stattgefunden hat.
Dies dürfen wir hingegen vom Schwarzspecht annehmen, der mehrmals in der Baumgruppe um den Chliisee gerufen hat und im Juli mit Juv. unterwegs war. Der Kleinspecht gibt uns Rätsel auf. Er ist von März bis Mai ständig anwesend, ruft und klopft, verhält sich anschliessend ruhig und gibt uns keine Hinweise auf eine Bruthöhle.

Pieper
Der Baumpieper ist leider nicht mehr in sein angestammtes Brutgebiet zurückgekehrt.  Wir müssen diese Art für unser Gebiet in die Kategorie „ausgestorben“ einreihen. Sein imposanter Balzflug wird uns fehlen.

Wasseramseln
Wasseramseln sind fleissige Brutvögel. Je ein Paar hat unter einer Chämptnerbachbrücke und im Ausfluss des Chrattenweihrers je zweimal gebrütet und aus allen Bruten sind Junge hervorgegangen.

Grasmücken
Vom Feldschwirl konnten wir dieses Jahr 11 vom Rohrschwirl 4 singende Männchen feststellen. Da sich diesmal auch in der nördlichen Hälfte des Schutzgebietes Feldschwirle niedergelassen haben, hat sich deren Bestand etwas erhöht. Der Bestand des Sumpfrohrsängers hat sich mit 73 Paaren wieder normalisiert. Der letztjährige Höchstbestand war auf die Sonderfaktoren Wetter und späte Rückkehr zurückzuführen. Unverändert hoch bleibt der Brutbestand der Teichrohrsänger. Leider hat sich auch dieses Jahr kein Drosselrohrsänger in unser Gebiet verirrt.

Der Bestand des Zilpzalps schwankt wenig, während der Bestand  des Fitis erneut abgenommen hat. Er erreicht jetzt nur noch die Hälfte früherer Jahre.

Zum zweiten Mal haben wir weitere Langstreckenzieher kartiert. Von der Gartengrasmücke haben wir mehr Standorte gefunden als im Vorjahr, während der Grauschnäpper schwach und der Trauerschnäpper gar nicht vertreten war.

Schwanzmeisen
Wie schon im Vorjahr lagen alle festgestellten Brutplätze am Südufer des Sees. Der Bruterfolg dieser Art dürfte recht erfolgreich sein, denn im Sommer erscheinen meist grössere Familienverbände.

Finken
Der Girlitz tritt nur am Rande des Schutzgebietes auf und ist eher in den Siedlungen anzutreffen. Auch der Distelfink erhöht seinen Bestand im Riet kaum.

Ammern
Die Goldammer kann ihren Bestand gut halten, brütet in den Büschen am Rande des Schutzgebietes. Eine erfreuliche Zunahme können wir jedoch beim Bestand der Rohrammer feststellen. Die gute Instruktion der Bewirtschafter im letzten Herbst hinsichtlich Stehenlassens von Altschilfflächen hat sich offenbar ausbezahlt.

Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste
Im Sommer 2004 waren je zweimal Silber- und Nacht – und Purpurreiher zu Gast.
Die Rohrweihe konnte vor allem im Frühjahr auf dem Zug beobachtet werden, während der Fischadler im September in unserem Gebiet kurz Rast machte. Immer häufiger kann der Wanderfalke angetroffen werden, dieses Jahr sogar im Juni.

Stelzenläufer W.Hunkeler

Stelzenläufer im Strandbad Auslikon am 12. Mai 2004
Ein besonderes Ereignis war der Stelzenläufer, der am 12. Mai auf einem Balken im Strandbad Auslikon ruhte und anschliessend noch einige Runden über dem Riet drehte. Diese langbeinige Limikole ist ein äusserst seltener Gast am Pfäffikersee. Die weitere Limikolen-Ausbeute ist nicht bedeutend. Nebst dem häufigen Flussuferläufer sind einzelne Grosse Brachvögel, Grünschenkel, Bruch- und Waldwasserläufer beobachtet worden.

Im April und Mai waren einige Male Trauerseeschwalben auf Nahrungssuche und auch eine seltene Weissflügelseeschwalbe konnte beim Stosstauchen festgestellt werden.

Mit Ausnahme der Brutzeit halten sich stets Eisvögel am See auf. Beliebte Jagdgebiete sind der Giwitzenkanal in Pfäffikon, das Strandbad Auslikon und der Aabach in Robenhausen.

Ein besonders schmucker Vogel ist der Wiedehopf, der unser Gebiet am 24. April besuchte.
Kleinere Gruppen von Schafstelzen suchen gerne Nahrung auf den angrenzenden Äckern.

Der Gesang von Nachtigallen fasziniert jeden Ornithologen. Eine sang am 27. April, die zweite am 7. Juni, mitten in der Brutzeit. Um Mitte April waren zweimal weisssternige Blaukehlchen unterwegs. Ein Pirol sang Anfang Mai.

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