Brutvögel

Brutvögel am Pfäffikersee

Sobald das Wetter freundlicher und die Temperatur wärmer wird, kehren die Zugvögel aus dem Süden in unsere Gegend zurück, um hier zu brüten. Alle typischen Riedbewohner sind Zugvögel. Wir Ornithologen warten im April / Mai immer mit Spannung auf den Erstgesang einer aus dem Winterquartier zurückgekehrten Vogelart. Im Frühjahr 2002 erfolgte  die Rückkehr der Zugvögel eher etwas später als in frühren Jahren. Das nasskalte Wetter Anfang April dürfte das Zugverhalten mitbestimmt haben.

Welchen Vögeln kann man nun im Frühjahr auf einem Rietspaziergang begegnen:

Häufige Brutvögel 

Rohrammer
Schon im März kehrt die Rohrammer aus dem Winterquartier zurück. Sie überwintert im südlichen Europa. Seit einigen Jahren kann man einige dieser Vögel aber auch mitten im Winter an unserem See antreffen. In Grösse und Gestalt sind sie unseren Sperlingen ähnlich. Daher auch der volkstümliche Ausdruck „Rohrspatz“ Im Brutkleid ist das Männchen mit seinem schwarzen Kopf und dem weissen Halsring unverkennbar. Seine abgehackte, stammelnde Strophe tönt etwa „zja tit tai zississ“.

Sumpfrohrsaenger
Teichrohrsaenger
Rohrammer

Rohrammer                                    Sumpfrohrsänger                Teichrohrsänger

 

Teichrohrsänger und Sumpfrohrsänger
Die beiden eng verwandten Arten können nur anhand des Gesangs unterschieden werden. Der Teichrohrsänger brütet vorwiegend im Röhricht am Wasser und singt laut „tire tire tier tschäck zäck zerr zerr zerr scherk scherk“, eine raue Strophe, die stets wiederholt wird. Der Gesang des Sumpfrohrsängers, der eher im Innern des Riets in Büschen brütet, tönt melodischer spottend „wit wit wit woid woid woid“ sowie eine grosse Zahl weiterer kratzender, schmatzender Laute. Eine Eigenart der beiden Rohrsängerarten ist das zwischen Halme geflochtene Nest, das man als Beobachter aber selten zu sehen bekommt.

Fitis und Zilpzalp
Die beiden kleinen Laubsänger sind nur etwa 11 cm groß und singen  in unseren Baumbeständen. Das Nest bauen beide Arten nahe am Boden. Vom Fitis-Männchen ertönt eine langsam abfallende pfeifende Gesangsstrophe, die dem Buchfinkenschlag entfernt ähnelt, während der Zilpzalp seinen Namen selber singt  „zilp zalp, zilp zalp“. Vom Aussehen her sind die beiden Arten praktische nicht zu unterscheiden.

Zilpzalp
Fitis

      Fitis                                        Zilpzalp    

Brutvögel mit kleinem Bestand

Rohrschwirl und Feldschwirl

Auch dies wieder zwei verwandte Arten, die stets aus guter Deckung singen und daher nur zufällig beobachtet werden können. Der Schwirrgesang erinnert an eine Heuschrecke und enthält über 45 Elemente pro Sekunde. Die Strophenlänge eines Feldschwirls kann mehrere Minuten dauern. Der Rohrschwirl singt meistens etwas kürzer und der Gesang erscheint etwas dumpfer. Wenn beide Arten im gleichen Areal gleichzeitig singen, ist der Unterschied gut zu hören, andernfalls haben auch wir Ornithologen manchmal etwas Mühe mit einer einwandfreien Artbestimmung.

Feldschwirl
Rohrschwirl

               Feldschwirl                                       Rohrschwirl

Stark gefährdete Arten
Die nachfolgend erwähnten Arten brüten bei uns noch in geringer Zahl. Die Brutbestände nehmen aber bedrohlich ab und ein Aussterben in den nächsten Jahren ist nicht ganz ausgeschlossen.

Kiebitz
Der Kiebitz gehört zur Familie der Regenpfeifer und ist in weiten Teilen des Mittellandes bereits verschwunden. Er hat früher gerne auf Ackerflächen gebrütet, doch wurden die Nester durch die intensiven, in zu kurzen Intervalle durchgeführten Bewirtschaftungsarbeiten meistens zerstört. In unserem Schutzgebiet brütet diese Art regelmässig nur noch in einer Rietwiese zwischen Strandbadstrasse und Chämptnerbach. Dieses Jahr sind 4 – 5 Paare anwesend. Imposant sind die Balz- und Verteidigungsflüge.  Ob eine Brut auch erfolgreich verlaufen ist lässt sich jeweils nur feststellen, wenn die Eltern ihre Jungen auf eine gemähte Wiese oder auf einen wenig bewachsenen Acker zur Nahrungssuche ausführen. Dabei ist die Mutter stets sehr aufmerksam und warnt bei Gefahr. Die Jungen drücken sich dann zu Boden oder verbergen sich im hohen Gras.

Kiebitz
Kiebitz

           Kiebitz auf dem Nest                           Kiebitz im Flug

Kuckuck
Der Kuckuck ist ein Brutschmarotzer und daher eine sehr interessante Vogelart. Das Weibchen legt etwa 15 – 20 sehr variable Eier, einzeln in die Nester insektenfressender Singvögel. Die Kuckucksjungen schlüpfen bereits nach 11 bis 13 Tagen und stossen die Eier des Wirtspaares aus dem Nest. Sie werden von diesen Wirtseltern im eigenen Nest gefüttert. Die Färbung der Kuckucke ist variabel, meistens grau, manchmal auch braun. Die Bauchseite ist quergebändert. Im Flug ist der Kuckuck einem kleinen Greifvogel ähnlich (Turmfalke, Sperber). Der Ruf des Kuckucks ist allgemein bekannt, weniger häufig ist das „Lachen“ des Weibchens zu vernehmen.

Aus unerfindlichen Gründen nimmt der Bestand des Kuckucks am Pfäffikersee bedrohlich ab. Nachdem im letzten Jahr nur noch zwei Paare anwesend waren, ruft in diesem Frühjahr nur noch ein Vogel.

junger Kuckuck
Kuckuck

                     Kuckuck                                                  junger Kuckuck wird gefüttert

Baumpieper
Der Baumpieper gehört zu denjenigen Arten, die in tieferen Lagen kaum mehr eine Überlebenschance haben. Im Zentrum des Robenhauserriets brüten regelmässig noch 2 Paare, wobei im selben Gebiet vor 20 Jahren noch 15 – 20 Brutpaare festgestellt werden konnten. Der interessante Singflug dieser Art bildet anlässlich von Exkursionen stets einen Höhepunkt für die Teilnehmer. Der zwitschernde Gesang (ähnlich eines Kanarienvogels) beginnt im Sitzen auf erhöhter Warte und im anschliessenden Steigflug. Beim Heruntergleiten mit schräg nach oben gehaltenen, halbausgebreiteten Flügeln hört man ein gedehntes „zia zia zia“. Da das Weibchen das Nest auf dem Boden baut, ist diese Art besondern störungsanfällig.

Baumpieper
Baumpieper im Flug

                       Baumpieper                                          Singflug des Baumpiepers

 

Zwergdommel
Dieser kleine Reiher gehört zu den heimlichsten Brutvögeln am See. Gegen Ende Mai ertönt der dumpfe Ruf des Männchens „wru wru wru“, vielfach am frühen Morgen oder in der Abenddämmerung. Das Männchen ist zweifärbig schwarz und ockergelb, das Weibchen mit einem bedeutend diskreteren gelbbraunen Federkleid ausgestattet. Die Zwergdommeln bauen ein kegelförmiges Körbchen aus Zweigen, Schilf- und Binsenstengeln, niedrig über dem Wasser. Mit etwas Glück kann man im Juli die Altvögel bei der Futtersuche entlang des Schilfsaumes fliegen sehen. Etwas später turnen die Jungvögel in den Schilfhalmen. In den letzten Jahren waren es meistens Badende, die eine erfolgreiche Brut zuerst entdeckten.

Zwergdommel

                             Zwergdommel – Männchen

                               W. Hunkeler