Aufnahme 2007
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Wetzikon, 20. Oktober 2007
Im Sommer 2007 wurde wiederum eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend berichte ich über unsere Beobachtungen und Erfahrungen in der abgeschlossenen Brutperiode.

Artenstatistik
Der vorliegende Bericht stützt sich auf 731 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2007 wurden gemeldet::
101 verschiedene Vogelarten, davon
-  23 Indikatorarten als Brutvögel
-  25 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste

(Linim Sommer 2006Lin),   (Lingehe zu Sommer 2008Lin)


 Zum Brutgeschehen im Sommer 2007

Kiebitz-Förderungs-Projekt
Im Winter 2006/2007 wurden grosse Anstrengungen unternommen, um den Kiebitzen bessere Brutmöglichkeiten zu schaffen. Das Müliriet, der bevorzugte Brutplatz dieser Vogelart, wurde stark entbuscht und feuchte Stellen freigelegt. Leider wurden diese Anstrengungen nicht belohnt, da ein Wintereinbruch in der zweiten Màrz-Hälfte die meisten Kiebitze zum Abwandern bewog.

Seeschutzzonen wirken
Es ist unübersehbar, dass die neu geschaffenen Seeschutzzonen zu einer Beruhigung der entsprechenden Uferpartien geführt haben. Erfolgreiche Reiherenten-Bruten und viele junge Haubentaucher sind das erfreuliche Ergebnis dieser Schutzmassnahmen.

Zu den regelmässigen Brutvögeln:

Taucher
Der Bestand des Zwergtauchers bleibt auf tiefem Niveau konstant. Auch der Bruterfolg lässt zu wünschen übrig. Bis zum Abschluss dieses Berichtes konnte ein einziger Jungtaucher beobachtet werden.
Erfreulich verlief dagegen das Brutgeschäft bei den Haubentauchern. 43 Brutpaare zogen insgesamt 81 Junge auf, wobei auffällt, dass dieses Jahr viele Paare 2 bis 4 Junge führten.

Reiher
Die Zwergdommeln waren im Berichtsjahr nicht sehr häufig zu beobachten. Ein sicherer Brutplatz lag in der Herdplattenbucht. An zwei weiteren Orten sind im Juni Einzelvögel kurz aufgetreten. Ob der am 13. Juni im Strandbad Auslikon gesichtete Jungvogel unserem Brutpaar zuzuordnen ist, ist schwierig zu sagen.

Störche
Am Südrand des Schutzgebietes, auf einem alten Fabrikkamin am Schönauweiher, brütete ein Paar Weissstörche erfolgreich. Leider kamen die beiden Jungstörche in der Kältephase um Mitte Mai ums Leben. Schon letztes Jahr war der gleiche Brutplatz besetzt gewesen,  doch verliess einer der Partner während der Brutzeit das Nest. Auch im Herbst war das Paar noch regelmässig in der näheren Umgebung auf Futtersuche zu beobachten.

Enten und Schwäne
Dieses Jahr kann ich wieder einmal von erfolgreichen Reiherentenbruten berichten. Letztmals im Jahre 1999 konnten  wir junge Reiherenten am See beobachten. Diesmal erschien mitte Juni ein Weibchen mit 6 pulli in der Herdplattenbucht. Anfang August war eine zweite Familie mit 4 pulli beim Bootssteg Seegräben unterwegs. Ein einzelnes, nicht flügges Junges, welches anfang September am Südufer allein unterwegs war, gibt uns Rätsel auf.
Einzelne Tafelenten-Männchen haben auch diesen Sommer am Pfäffikersee verbracht. Es gab jedoch keinen Hinweis auf eine Brut.
Obschon am Nord-, wie auch am Südufer, regelmässig Höckerschwäne anwesend waren, kam es auch im Berichtsjahr zu keiner Brut.

Greifvögel
Der Schwarzmilan brütete dieses Jahr wieder am Westufer. Der zweite  Brutplatz auf der gegenüberliegenden Seeseite war diesmal nicht besetzt.. Jungvögel konnten nicht festge-stellt werden, doch war im Juni ein futtertragende Altvogel unterwegs.
Der Rotmilan brütet am Waldrand in der näheren Umgebung des Schutzgebietes und benützt dieses regelmässig für die Nahrungssuche
Zwei Nistkästen für Turmfalken waren besetzt In der Scheune Wolfensberger sind Junge aufgezogen worden.
In der Mitte des Querweges verlief eine Brut des Mäusebussards erfolgreich. Bettelnde Junge waren zu hören.

Rallen
Am Südufer des Sees hat sich der Bestand der Wasserralle etwas erhöht. Mit 8 Paaren liegt der Bestand höher als in den Vorjahren.
Hingegen war der Brutbestand des Teichhuhns erneut schwach. Nur vier Paare, und viel weniger Junge als in früheren Jahren, konnten wir feststellen.

Regenpfeifer
Es ist schade, dass die Kiebitze die guten Voraussetzungen im Müliriet dieses Jahr nicht nutzen konnten. Die Kälte und der Schnee vertrieb schliesslich die meisten Vögel, so dass kaum Junge aufgekommen sind.

Schnepfen
Auch den Bekassinen, die im April noch in grösserer Zahl im Müliriet Nahrung suchten, war es vermutlich zu kalt, um auszuharren. Nun hoffen wir, dass nächstes Jahr wieder mal günstigere Bedingungen herrschen um diesen gefährdeten Arten Brutmöglichkeiten anzubieten.

Möwen
Das Brutfloss im Chliisee wurde wieder durch die Mittelmeermöwen in Besitz genommen und alle Konkurrenten konsequent vertrieben. Ende Mai sind zwei pulli geschlüpft. Am 2. Juni war nur noch ein Junges auf dem Floss anwesend und am 11. Juni war auch das zweite Junge verschwunden. Ich habe den Rotmilan im Verdacht, der dauernd in diesem Gebiet jagte. Dieser frühe Brutverlust wirkt sich sehr negativ aus, indem die „arbeitslosen“ Grossmöwen die Bruten auf dem zweiten Floss in der Herdplattenbucht störten.

4 Lachmöwen-Paare brüteten am Bützlisee und 1 Paar auf dem neuen Brutfloss in der Herdplattenbucht. Letztere wurde leider aufgegeben, nachdem sich eine  Mittelmeermöwe nicht vom Floss vertreiben liess. Zwei Jungmöwen könnten am See geschlüpft sein.

Seeschwalben
Rechtzeitig auf den Beginn der Brutsaison hin haben Mitarbeiter der Kantonalen Fachstelle für Naturschutz ein neues Flussseeschwalben-Floss bereitgestellt und in der Herdplattenbucht verankert.  Es bildete sofort ein grosser Anziehungspunkt für die zurückkehrenden Flussseeschwalben.. Im Juni waren bis zu 20 Vögel am See anwesend. Schliesslich begannen 6 Paare auf dem Floss zu brüten, zusammen mit einem Lachmöwen-Paar. Am 30. Juni, kurz vor dem Schlüpfen der Jungen, liess sich leider eine Mittelmeermöwe auf dem Floss nieder und vertrieb alle anwesenden Brutpaare. Etwa während einer Stunde versuchten Lachmöwen und Seeschwalben die Grossmöwe zu vertreiben, leider ohne Erfolg. Spätere Brutversuche waren nicht mehr erfolgreich. Die grosse Anzahl von Flussseeschwalben, bis Ende Juli, zeigt aber, welch grosses Potential am See vorhanden wäre. Durch ein weiteres Brutfloss könnten die Anzahl Brutvögel stark gefördert werden.

Kuckuck
Da der Kuckuck sehr mobil ist und sein Ruf rund um den See vernommen werden kann,  ist es stets etwas schwierig abzuschätzen, wie viele Paare im Gebiet anwesend sind. Aufgrund der vorhandenen Meldungen schätzte ich diesmal 2 Paare. Im August konnte im Robenhauserriet mehrmals ein Jungvogel auf Nahrungssuche beobachtet werden.

Eulen
Der Schleiereulen-Brutkasten an der Scheune Wolfensberger war auch dieses Jahr wieder besetzt. Es flogen 3 junge Eulen aus.
Ebenfalls erfolgreich verlief die Brut der Waldohreulen am Ostufer des Sees, 3 Junge kamen auf.

Spechte
Der Bestand der Grünspechte nimmt nicht nur im Riet, sondern auch in den umliegenden Wäldern zu. Mindestens zwei Brutstandorte wurden festgestellt, wobei im Strandbad Pfäffikon 3 Jungvögel beobachtet werden konnten.
Der Schwarzspecht machte sich an verschiedenen Orten bemerkbar. Eine Bruthöhle vermuten wir im Zentrum des Robenhauserrietes. Junge waren jedoch nicht auszumachen.
Das gleiche gilt vom Kleinspecht, der rund um den See beobachtet werden konnte.  Schwerpunkte seiner Aktivitäten lagen in den Baumgruppen am Pappelweg und im Strandbad Pfäffikon. Auch bei dieser Art wissen wir nicht, ob die Bruten erfolgreich verlaufen sind.

Wasseramseln
Erneut hat die Wasseramsel unter der Strassenbrücke am Chämptnerbach gebrütet. Das Paar konnte bei der Fütterung von 2 Jungvögeln beobachtet werden.

Grasmücken
Die Brutplätze des Feldschwirls konzentrierten sich dieses Jahr auf der Ostseite des Sees, wo auf kleinem Raum 6 Paare brüteten.

Anders die 6 Brutpaare des Rohrschwirls, die sich vorwiegend am Südufer des Sees wohl fühlten.
Einen neuen Bestandesrekord stellten die Sumpfrohrsänger auf, indem im Berichtsjahr nicht weniger als 103 Paare brüteten. Wie schon in den Vorjahren lag der Schwerpunkt der Bruten im Südosten des Schutzgebietes.

Die Teichrohrsänger brachten es dieses Jahr auf 88 Brutpaare, was etwa im Rahmen der Vorjahre liegt.
Grosse Freude bereiteten uns dieses Jahr die Drosselrohrsänger, deren Gesang im Gebiet des Chliisees regelmässig vernommen wurde. Vermutlich ein unverpaartes Männchen sang gelegentlich in der Herdplattenbucht.

Mit 30 Paaren weist unser Gebiet einen beachtlichen Bestand an Gartengrasmücken auf.
Erfreulicherweise haben sich sowohl der Bestand des Zilpzalp mit 35 und des Fitis mit 37 Brutpaaren stabilisiert.

Zweimal während der Brutzeit konnte im Gebiet Tüfi die Dorngrasmücke festgestellt werden. Es ist aber unsicher, ob sie hier auch gebrütet hat. Wir müssen nächstes Jahr dieses Gebiet, wo diese Art schon  mal in früheren Jahren gebrütet hatte, intensiver überwachen.

Etwas unregelmässig verläuft die Bestandesentwicklung beim Grauschnäpper. Mit 4 Paaren trafen wir in diesem Sommer nur halb so viele wie im Vorjahr.

Nicht gebrütet hat im Gebiet der Trauerschnäpper.

Schwanzmeisen
Regelmässig, aber nicht in grosser Zahl, brüten die Schwanzmeisen, vorwiegend im südlichen Teil des Gebietes.

Würger
Wir freuen uns, dass der Neuntöter erneut in einer Buschgruppe im Müliriet gebrütet hat.
Anfang August war eine Familie mit 2 Juv. zu beobachten.

Finken
Der Girlitz macht sich in letzter Zeit eher rar. Ein einziges Brutpaar am Kanal war auszumachen.
Anders beim Distelfink, wo eine ausserordentlich hohe Zahl von 14 Brutpaaren notiert werden konnte.

Ammern
Einem allgemeinen Trend folgend, breitet sich die Goldammer auch im Riet laufend aus. Interessant ist aber die Arealverschiebung, die in den letzten Jahren festzustellen ist. Ursprünglich nur im Nordosten ansässig, brüteten alle Paare dieses Jahr im Südosten.

Der Brutbestand der Rohrammern hat sich auf tiefem Niveau stabilisiert.

Interessante Durchzügler und Nahrungsgäste
Schwarzhalstaucher waren dieses Jahr im April und im Juli als kurzzeitige Gäste am See anwesend.

Zwei bis drei Silberreiher waren ebenfalls Frühjahrsgäste. Purpurreiher erscheinen jeweils anfang Mai auf dem Zug.

Leider sind Krickenten und Knäkenten in den letzten Jahren lediglich Nahrungsgäste. Es wäre schöne, wenn wir wieder mal eine Brut verzeichnen könnten. Seit einigen Jahren ist ein Brautenten-Männchen während des ganzen Jahres regelmässig zu beobachten. Es schliesst sich jeweils einem Stockenten-Weibchen an.

Am 16. Juli flog ein Gänsegeier über Stadt und See. Wie die Vogelwarte berichtete, war eine Gruppe dieser seltenen Gäste auch in anderen Gegenden beobachtet worden. Im Herbst waren Fischadler unterwegs, es konnte sogar ein Fischfang festgestellt werden.

Nebst Bekassinen und Flussuferläufer sind nur wenige Limikolen am See erschienen. Je ein grosser Brachvogel, ein Rotschenkel, ein Waldwasserläufer und eine Gruppe Bruchwasserläufer waren die magere Ausbeute. In unseren Riedgebieten fehlen immer noch die geeigneten Flachwasserflächen.

Im Juni waren einzelne Trauerseeschwalben unterwegs und im August jagten zwei Junge in der Seegräbnerbucht.

Ein äusserst seltener Gast ist der Ziegenmelker, der am 13. September im Gebiet NVV einige kurze Strophen seines eigenartigen Gesanges zum Besten gab.

Ab Anfang August erschien der Eisvogel wieder am See. Bisher trat er vor allem am Südufer in Erscheinung.

Auch Wiedehopf und Wendehals stehen auf der diesjährigen Gästeliste. Eine Nachtigall sang noch Anfang Juni im Gebiet der Wochenendhäuser. Vermutlich ein unverpaartes Männchen.

Das Braunkehlchen gehört zu den regelmässigen Nahrungsgästen. In grosser Zahl war es bis Ende Mai zu beobachten und dann wieder ab Mitte August. Intensiver beobachten müssen wir künftig das Müliriet, wo eine Brut durchaus möglich erscheint.

Als weitere seltene Gäste dürfen die Beutelmeise von anfang April, der Schilfrohrsänger von ende Mai und die Klappergrasmücke im September erwähnt werden.

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